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Dörte Moll

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Selbständigkeit war immer mein Ziel. Ich stamme aus einem Unternehmerhaushalt in vierter Generation.

Ich bin Jahrgang 1962. 1982 habe ich an der Fachhochschule Oldenburg mit dem Studium der Architektur begonnen und mein Diplom 1987 abgelegt.

Es war für mich bereits in frühen Jahren, mit 14/15 Jahren, klar was ich beruflich wollte. Ich komme aus einer Innenarchitekten-Familie in mittlerweile vierter Generation, rückblickend kann ich sagen, daß diese familären Einflüße haben mich bei meiner Berufsfindung bereits früh entscheidend geprägt.

Zunächst habe ich also nach meinem Schulabschluß, wie empfohlen wurde, einen Praktikumsplatz für ein Jahr gesucht. Dies war in einer Tischlerei, nach drei Monaten suchte ich mir eine neue Tischlerei und da merkte ich, daß es schwierig als Frau wird. Mit dem Argument "wie machen wir es mit der Toilette" wurde die Suche nach einem Praktikumsplatz schwieriger als ich mir vorgestellt hatte. Mein zweiter Tischlereibetrieb hatte die Wohnung des Inhabers direkt neben der Werkstatt, somit legte ich dem Inhaber in den Mund: "wenn das Aufsichtsamt kommt, können Sie doch auf die Toilette in der Wohnung verweisen" und ich erhielt das Praktikum. Zwei Drittel des Praktikumjahres habe ich in zwei Tischlereien gearbeitet und ein Drittel im Architekturbüro.

Der Studentinnenanteil an der Fachhochschule Oldenburg betrug ein Viertel bis ein Drittel, weibliche Hochschullehrer gab es zu der Zeit nicht, wohl jedoch eine Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte. Zu meiner Zeit haben wir eine Frauengruppe an der FH gegründet. Das war Anfang der 80er, die Zeit damals war geprägt, daß engagierte Studierende gegen Atomsprengköpfe auf die Straße gingen, und sich in Diskussionen zu Umweltfragen zu Wort meldeten usw. In diese Zeit fiel die Ausschreibung für eine neue ProfessorInnen-Stelle an der FH in Oldenburg, die Frauengruppe bemühte sich mit viel Engagement für die Besetzung der Stelle mit einer Frau, sie hatten Erfolg mit ihrem Engagement: die Stelle wurde mit Frau Juliane Bargholz als 1. Professorin an der FH Oldenburg besetzt.

Ich denke, wir brauchen immer wieder in einzelnen Lebensphasen Frauen als Vorbilder.

Während des Studiums war ich als studentische Mitarbeiterin in einem Architektur- und Ingenieurbüro in Bremen tätig. Daraus hat sich nahtlos meine erste Anstellung ergeben. Dort war ich insgesamt zwei Jahre angestellt und hauptsächlich im Industrie- und Verwaltungsbau tätig. Während meines Studiums hatte ich mir vorgestellt, im Wohnungsbau tätig zu werden. Heute bin ich froh, daß sich nur "vereinzelte Wohnungsbauprojekte ins Büro verirren". Mein erstes Projekt im Bremer Büro war für eine Anfängerin eine große Herausforderung, heute kann ich sagen, daß es viel zu hoch aufgehängt war, dennoch hatte ich einen Chef, der mich unterstützte, gar förderte und mir die Projektbearbeitung zutraute, was ich als Herausforderung schnell und unverzüglich annahm und Erfolg hatte.

Als es im Büro eine ruhigere Phase gab und die ersten Kollegen entlassen wurden, erinnerte ich mich an meinen Ursprungswunsch, Innenarchitektur zu studieren. Kurz entschlossen kündigte ich meine Anstellung und zog nach Düsseldorf, um Innenarchitektur zu studieren. Parallel dazu habe ich in verschiedenen Büros als freie Mitarbeiterin gearbeitet, um mir mein Studium zu verdienen, und habe mich dann 1992 selbständig gemacht.

Die Idee der Selbständigkeit war immer da, ich komme aus einem Unternehmerhaushalt in vierter Generation, und es war für mich innerlich klar, irgendwann ist es auch für mich soweit. 1992 hatte ich gut vier Jahre Berufserfahrung hinter mir. Das beurteilte ich als solides Standbein, um mich selbstständig machen zu können.

Alleine, ohne großen Auftrag, ohne Wettbewerbserfolg, nur mit der Idee, "sich selbständig machen zu müssen", gings also los. Zielsetzung meiner Selbstständigkeit war es, daß ich bestimmte Inhalte und Ansprüche an Arbeit und Arbeitsweisen, auch die Kombination von Architektur und Innenarchitektur realisieren wollte. Ich bin dann, und davon würde ich heute jedem und jeder abraten, ganz ungünstig angefangen; fremd in der Stadt, als junge Frau, unverheiratet, überaus ungünstige Faktoren für eine Selbständigkeit. Doch ich folgte "dem inneren Drang": es mußte eben sein. Mein erster Auftrag, eine Wettbewerbsbearbeitung für mein ehemaliges Büro in Bremen hielt mich für ein paar Monate über Wasser.

Meine Selbständigkeit hat sich ganz klassisch im Kleinen entwickelt. Ein-Zimmer-Büro, parallel das Bett: klein und fein. Ich habe von Anfang an offensiv akquiriert. Das mache ich bis heute: Zielgruppenrecherche, Adressen und Ansprechpartner recherchieren, schriftlichen Kontakt aufnehmen, Nachfassen, sich bemühen, einen Gesprächstermin zu bekomme und dann natürlich einen Auftrag. Anfangs wollte ich das machen, was ich im ersten Büro gelernt hatte. Doch ich mußte schnell erkennen, daß der Industrie- und Verwaltungsbau ein "Männerclub" war.

Als Existenzgründerin sind Verwaltungsbauten natürlich eine Nummer zu groß. Im Laufe der Zeit kristallisierten sich klare Zielgruppen heraus. Bei den Zielgruppen Altenheime, soziale Einrichtungen, Bauten für Vereine oder Kirchengemeinden merkte ich, daß es besser paßt. Da kommuniziere ich mit Entscheidern auf gleicher Ebene, ich habe so ein Stück "Stallgeruch", frühere Erfahrungswerte aus der eigenen Jugendarbeit, halt eine kirchliche Bindung schaffen Vertrauen. Ich habe mit studentischen Aushilfen angefangen, mittlerweile habe ich zwei festangestellte Architektinnen und zwei bis drei freie MitarbeiterInnen nach Bedarf.

Aus der vereinzelten Situation heraus und vor dem Hintergrund, das meine Mutter ohne Austausch mit Gleichgesinnten alleine einen Betrieb für innenarchitektonische Beratung und Möbeleinzelhandel geführt hat, entstand bei mir sehr schnell der Wunsch nach einem Netzwerk mit Kolleginnen. Das war meine Motivation, verbunden mit dem frauenpolitischen Ansatz "Frauen verbündet Euch, dann seit Ihr stärker!" ein Architektinnennetzwerk aufzubauen. Als erstes habe ich eine Anzeige in den "Überblick", einer alternative Stadtzeitung, gesetzt, dann anhand der Gelben Seiten Architektinnen gezielt angeschrieben und zu den Treffen eingeladen. Nach einer Anfangsphase des Netzwerkes ging es über Mund-zu-Mund-Propaganda weiter. Es gab einen Kreis von vier bis sieben Frauen. Das reichte um anzufangen und wir haben getagt. Mittlerweile hat die Initiative 40 Mitglieder, eine ganz normale Vereinsgröße, es hat also funktioniert. Aus der kontinuierlichen Mitarbeit haben sich berufliche Kontakte und Freundschaften entwickelt, die bis heute zu regelmäßiger Zusammenarbeit oder der Bildung von punktuellen Arbeitsgemeinschaften geführt haben.

Um mit selbständigen Frauen aus anderen Branchen Erfahrungen auszutauschen und Geschäfte miteinander zu machen, bin ich im Netzwerk Düsseldorfer Unternehmerinnen aktiv. Seit diesem Jahr bin ich Vorstandssprecherin. Wir überlegen gerade den Arbeitsschwerpunkt für 2001. Es wird um Werte und Zukunft von Arbeit gehen. Unsere Zielsetzung ist ganz klar: sich zu vernetzen, inhaltlicher Austausch, Weiterbildung in Form von Vorträgen, Seminaren, monatliche Treffen, ganz klassisch sich organisieren und treffen. Es geht uns darum im positiven Sinne "miteinander zu Klüngeln".

Immer wieder kommt die Frage vom "Lautsein" oder "Raumeinnehmen" von Frauen auf. Ich stelle fest, daß sich Frauen überaus schwer tun einzufordern was sie wollen. Frauen legen viel mehr Wert darauf, daß die Atmosphäre, das sich Wohlfühlen stimmt. Ich beobachte immer wieder, daß Frauen sich selbst ein Stück im Wege stehen. Sie haben z.B. die Sorge, "wenn ich eine Frau empfehle, schlägt das auf mich zurück". Männer sind in diesem Punkt lockerer. Sie können leichter sagen: "Gibst Du mir den Auftrag, kriege ich nächste Woche von Dir einen". Sie wissen, wie die Regeln sind. Ich habe das bei einem Bauunternehmer getestet, der sehr viele Informationen von mir bekommt. Eines Tages sagte ich also: "Jetzt habe ich aber was gut bei Dir". Ich wollte einfach mal die Konten abzuchecken. Er hat das sehr wohl verstanden. Ich habe ihm dann also den konkreten Auftrag gegeben, mir von einer Messe bestimmte Informationen mitzubringen. Das hat geklappt. Die Positionen sind im Bewußtsein von Männern und ihrem Gegenüber klarer als bei Frauen untereinander. Ich stelle fest, daß ich in solchen Punkten auch von den Männern lernen kann.

Ich lebe alleine, habe keine Kinder. Mein beruflicher Werdegang und meine wirtschaftliche und emotionale Unabhängigkeit sind mir überaus wichtig. Kinder und ein eigenes Büro funktioniert auch meiner Sicht nur unter ganz besonderen, individuellen Rahmenbedingungen. Ich glaube jedoch, daß ein eigenes Büro als Allein-Inhaberin mit Kindern voll und ganz selbständig nicht funktioniert, die gesellschaftliche Infrastruktur zur Vereinbarung beider Faktoren fehlen in Deutschland, in Frankreich z.B. sähe das ganz anders aus.

 

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